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Onlinebrief

Erst neulich habe ich nach einem Service gesucht, den die Post sinnvollerweise anscheinend schon seit längerer Zeit anbietet. Und zwar wollte ich ein Photo online hochladen, einen Text verfassen und das ganze online als Postkarte verschicken – hat sensationell funktioniert im Schreibcenter der Deutschen Post. Zum Glück ist die Aussage “Sitzung abgelaufen” im snippet von Google nicht charakterisierend für das schreibcenter

Postkarten online schreiben und verschicken

Postkarten online schreiben und verschicken

…sondern zeugt nur von schlechtem onpage SEO des schreibcenters.

Passend dazu kommt jetzt im Anschluss zu meinem Bericht über die DE-Mail im Juli 2009 ein Update von der Deutschen Post zu ihrem damals begonnenen Alleingang. Hier ein paar Auszüge eines Interviews mit Bereichsvorstand Dr. Johannes Helbig der Deutschen Post AG:

Der Onlinebrief – das ist unser Arbeitstitel – ist genauso einfach und schnell wie eine eMail, kann also überall und jederzeit über den Computer verschickt werden. Er behält aber auch im Internet die wesentlichen Eigenschaften des klassischen Papierbriefs: Vertraulichkeit, Verbindlichkeit und Verlässlichkeit. Damit kombinieren wir die Vorteile zweier Welten in einem Produkt.

Was ist der Unterschied zwischen dem Brief im Internet und einer eMail?

Helbig: Erstens: Der Brief im Internet ist verbindlich. Im Gegensatz zur eMail ist beim Onlinebrief zweifelsfrei geklärt, wer die Nachricht abgesendet hat und wer sie empfängt. Jeder Kunde, der sich auf unserer Plattform registrieren möchte, muss sich bei einer Postfiliale per PostIdent-Verfahren eindeutig identifizieren. Phishing-Attacken oder anonyme Spams sind also nicht möglich.

Zweitens: die Vertraulichkeit. Wir übertragen mit dem Onlinebrief das Briefgeheimnis ins Internet. Dank modernster Verschlüsselungstechnologien können Dritte die elektronischen Dokumente nicht einsehen oder verändern.

Drittens: Verlässlichkeit. Wie im physischen Zustellnetz bietet die Post die gesamte Übermittlung und die verlässliche Zustellung der Onlinebriefe aus einer Hand an. Der Weg eines Dokumentes ist vom Adressaten zum Empfänger von Anfang bis Ende komplett nachvollziehbar.

Und ganz wichtig: Die Post garantiert die zuverlässige Zustellung, selbst wenn der Empfänger kein Onlinekonto hat – dann wird der Brief gedruckt und durch den Postboten zugestellt. All diese Vorteile bietet die eMail nicht.

Welche Nutzen des Onlinebriefs sehen Sie für Verwaltungen?

…zwischen interner und externer Kommunikation [entsteht] einen Medienbruch, der die effiziente Organisation der Arbeitsabläufe sowohl in der Verwaltung als auch in Unternehmen behindert. Der Brief im Internet wird der Verwaltung die Möglichkeit eröffnen, auch ihre vertrauliche und verbindliche Schriftkommunikation in einem medienbruchfreien elektronischen Workflow abzubilden.

Die elektronische Poststelle der Post soll zunächst den Onlinebrief als neues Medium in die Kommunikationssysteme der Behörden integrieren, um medienbruchfreie Prozesse zu ermöglichen. Hierzu gehören Schnittstellen zu Dokumentenmanagement-, eMail, Fax- und Workflowsystemen. Darüber hinaus bietet sie auch die klassischen Funktionen einer Poststelle, wie Posteingangs- und Postausgangsbearbeitung.

Die meisten Bürger haben bereits einen eMail-Account. Glauben Sie, dass die eMail-Nutzer auf den Brief im Internet umsteigen?

Helbig: Wir glauben nicht, dass die Menschen nun ihre eMail-Konten aufgeben. Sie werden aber trotzdem ihren elektronischen Briefkasten registrieren lassen, weil es zukünftig immer mehr Kommunikationsanlässe geben wird, die nur über einen verbindlichen und sicheren Kanal abgewickelt werden. Hinzu kommt, dass das Bewusstsein für Sicherheit und Datenschutz dramatisch steigt. Wir glauben, dass ein dringender Bedarf für vertrauliche und verbindliche Kommunikationslösungen im Internet existiert und der Brief im Internet hierfür genau das richtige Angebot darstellt.

30 Prozent der Deutschen haben noch keinen Online-Anschluss – was ist mit dieser Gruppe?

Helbig: Selbst wenn alle Bürger online sind – es wird immer Menschen geben, die ihre Behördenpost auch weiterhin in Papierform haben wollen, und es wird auch immer Dokumente geben, die als klassischer Brief in Papierform versendet werden. Daher wird die Zukunft des Briefes nicht elektronisch, sondern hybrid sein. Die Post stellt sicher, dass der Onlinebrief seinen Adressaten erreicht – ob elektronisch oder in seiner bewährten Papierform. Diese Kombination zwischen elektronischer Kommunikation und flächendeckender Zustellung diskriminierungsfrei für alle Bürger – das können nur wir. Und eben diese zuverlässige Zustellung ermöglicht Behörden und Unternehmen einen schnellen Umstieg auf den Onlinebrief.

Bei welchen konkreten Kommunikationsanlässen sehen sie denn den Onlinebrief im Vorteil?

Helbig: In der Behördenkommunikation wird es nach Verabschiedung eines De-Mail-Gesetzes Fälle geben, in denen aus rechtlichen Gründen elektronische Kommunikation nur dann möglich ist, wenn sie konform zu diesem Gesetz ist. Selbstverständlich wird der Onlinebrief solche gesetzlichen Normen erfüllen. Im geschäftlichen Verkehr bietet der verbindliche Onlinebrief Verfahrenssicherheit für Verträge, Aufträge, Rechnungen oder Zahlungsanweisungen. Auch die Vertraulichkeit ist ein ernstzunehmender Faktor.

Darüber hinaus gehen wir davon aus, dass der Hybridbrief gerade im Privatbereich viele Freunde findet. Keine Suche nach Briefmarken und kein Gang zum Briefkasten mehr, an jedem Internetzugang kann ein klassischer Brief geschrieben und versendet werden.

Beabsichtigen Sie sich am De-Mail-Piloten zu beteiligen?

Helbig: Mit dem Brief im Internet transformieren wir unser Kerngeschäft in die elektronische Welt. An dieser technischen Weiterentwicklung unseres Projekts arbeiten wir wie international auch viele andere Postgesellschaften. Sie steht nicht im Widerspruch zur De-Mail-Initiative des Innenministeriums. Trotzdem ist bei dem gegenwärtigen Piloten eine Teilnahme unwahrscheinlich. Die Weiterentwicklung unseres Hauptumsatzträgers und die anschließende Markteinführung gehört zu unseren strategisch wichtigen Projekten. Jeder wird Verständnis dafür haben, dass wir die Transformation unseres Briefes nur in eigener Planung und Verantwortung durchführen können.

Was hält die Post denn vom De-Mail-Gesetz?

Helbig: Die Deutsche Post unterstützt ausdrücklich die politische Zielsetzung, einen Standard für verbindliche elektronische Schriftkommunikation herbeizuführen. Es gibt noch viele rechtliche Barrieren für elektronische Kommunikation. Hier ist noch viel Reformarbeit zu leisten, bis die elektronische Kommunikation rechtlich der Papierform gleichgestellt ist. Darüber hinaus brauchen wir eine gesetzliche Regelung zu den Sicherheits- und Interoperabilitätsstandards der verbindlichen elektronischen Schriftkommunikation. Die Deutsche Post hat erklärt, gemeinsam mit anderen Anbietern diesen Standard aktiv mitzugestalten.

Wir sehen diese Normierung nicht nur aus der nationalen Perspektive. Viele Postdienstleister entwickeln ähnliche Angebote und als Mitglied des Weltpostvereins wollen wir uns dafür engagieren, dass es internationale Standards für den elektronischen Brief gibt. Niemand würde Verständnis dafür haben, dass verbindliche elektronische Kommunikation an nationalen Grenzen aufhört.

Was soll der Brief im Internet denn kosten?

Helbig: Auf Grund der engen Verzahnung, die der Brief im Internet mit der papierbasierten Brief-Welt hat, strebt die Post ein ähnliches Preismodell für die digitale Kommunikation an, das heißt der jeweilige Versender zahlt je Transaktion. Über Höhe des Preises für den Brief im Internet können und wollen wir jedoch zum jetzigen Zeitpunkt noch keine Angaben machen.

Wann wird es den Brief im Internet geben?

Helbig: Zurzeit läuft noch ein interner Pilot mit über 5.000 Anwendern, den wir zunächst auswerten wollen, bevor wir voraussichtlich Mitte 2010 in den Markt gehen.

(Quelle: eGovernment COMPUTING)

Ob die Deutsche Post mit dieser Ankündigung schon gewonnen hat? Jedenfalls traue ich es der Post nach meiner positiven Erfahrung mit der ePostkarte am ehesten zu und freue mich auf den Onlinebrief – ein weiterer Schritt auf dem Weg zum weltweiten papierlosen Büro.

Gutes Gelingen,
Juergen

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