Ölkonzern BP erschüttert die Märkte
Der Aktienkurs gibt nach der Ölfeldschließung in Alaska nach. Der Ölpreis steigt. Angeblich soll BP zu wenig in seine Anlagen inverstiert haben.
Von Peter Herkenhoff
London – Technische Probleme beim britischen Energiekonzern BP haben Kursturbulenzen an den Finanzmärkten ausgelöst. Am Sonntag hatte das Londoner Unternehmen begonnen, das größte Ölfeld der USA in Alaska vorübergehend zu schließen. Während einer Inspektion war festgestellt worden, dass Teile der Erdölpipeline in Prudhoe Bay überraschend durchgerostet sind. Durch die Leitung fließt das Rohöl zur Trans-Alaska-Pipeline. Wie lange das Ölfeld ausfällt, ist unklar.
Das Ölfeld liefert pro Tag 400 000 Fass (159 Liter) zur Weltenergieproduktion bei. Das entspricht acht Prozent der US-Ölförderung. Angesichts des ohnehin knappen Angebots und der angespannten geopolitischen Lage im Nahen Osten reagierten die Finanzmärkte nervös auf diese Nachricht: Der Ölpreis kletterte an den US-Terminbörsen auf mehr als 76 Dollar. Den Höchststand erreichte er indes noch nicht. Mitte Juli war der Preis des wichtigsten Industrierohstoffs der Welt kurzzeitig auf 78,40 Dollar gestiegen. Citigroup-Analysten schätzen, dass es zwar weltweit genug Öl gibt, um diesen Ausfall auszugleichen, der Kapazitätspuffer sinke aber weiter.
Default BannerDerweil gab der Aktienkurs von BP an der Londoner Börse zeitweilig um mehr als zwei Prozent nach. Die Ölkonzerne verzeichnen angesichts der hohen Energiepreise Rekordgewinne. Der Aktienkurs von BP konnte davon aber nicht profitieren. Er lag in London mit 620 Pence mehr als 100 Pence unter dem Jahreshoch von Ende Mai.
Vor zwei Wochen hatte BP gemeldet, von April bis Juni einen Rekordgewinn von 3,3 Mrd. Pfund (4,9 Mrd. Euro) erwirtschaftet zu haben. Angesichts der schrumpfenden Energievorräte sorgen sich Investoren und Analysten seit längerem darüber, ob es neue Fördergebiete geben könnte. Die sind weltweit Mangelware. In der Kritik stand BP dagegen in jüngster Zeit öfter, als es dem Unternehmen lieb sein dürfte. Vor wenigen Wochen hatte sich Vorstandschef Lord Browne öffentlich mit seinem Aufsichtsratschef Peter D. Sutherland über die Frage gestritten, ob er wie geplant in zwei Jahren pünktlich zu seinem sechzigsten Geburtstag in Rente gehen darf oder bis zu seinem fünfundsechzigsten ausharren muss.
Davor kritisierten britische und amerikanische Medien, dass sich BP vor dem umstrittenen Börsengang Rosnefts mit 549 Mio. Pfund an dem russischen Energiemulti beteiligt hat und damit das Listing an der Londoner Börse überhaupt erst möglich gemacht habe.
Insofern setzt der Produktionsstopp in Alaska die Kette der jüngsten Misserfolge nahtlos fort. In den USA steht das Unternehmen seit Monaten wegen einer Serie von Unfällen am Pranger. Im März hatte es an einer Pipeline des Prudhoe-Bay-Ölfelds ein Leck gegeben. BP erklärte damals, ein knapp fünfeinhalb Kilometer langes Stück ersetzen zu wollen. Der Konzern musste sich vorhalten lassen, trotz hoher Gewinne nicht genug für den Unterhalt der Anlagen auszugeben.
Artikel erschienen in Die Welt am Di, 8. August 2006
Dieses eine Ölfeld macht acht Prozent der US-Ölproduktion aus! Bei den hohen Gewinnen der Ölkonzerne wäre es höchsten Grades unverantwortlich, wenn BP tatsächlich zu wenig in die Anlagen investiert hat. Im Gegensatz zu vielen anderen Fällen, wäre bei der Sicherstellung der Energieversorgung mal ein staatliches Eingreifen sinnvoll. Mir egal wieviel die Ölkonzerne verdienen, aber dann sollte doch zumindest die moralische Verpflichtung gegenüber der Weltbevölkerung erfüllt werden.
Gutes Gelingen,
Juergen


Am 10. August 2006 um 17:11 Uhr
Ist doch völlig egal, wie lange Vorstaende auf ihrem Posten sitzen oder nicht – siehe Spiegel-Artikel wg AktienOptionen Betruegereien der Vorstaende – es geht nur ums schnellen Profit und gute Quartalszahlen!! Porsche flog in Deutschland aus den Indizes, nur weil sie sich weigerten diese ZahlenQuaelerei im Quartal mitzumachen. Doch Angelsachsen haben uns laengst ihren Stempel der Kurzfristigkeit und Kurzsichtigkeit aufgedrückt. Alle Unternehmen schließen Betriebe und verlagern AKtivitäten in 3.Welt Länder, keiner entschließt sich heute noch aufwendig neue Geschäftsfelder zu erschließen – es würden ja viele Quartale belastet und die Bezahlung erfolgt in Aktien-Optionen! Also ein Schlag ins eigene Kontor – gegen alle logischen Interessen der AKtionäre wird auch hier KURZ GEDACHT ! Also nicht verstaatlichen oder so SONDERN ENDLICH MIT DIESEM UNSINNGEN QUARTALSMIST UND ANGELSAECHSISCHER ZAHLENWERK-GLAEUBIGKEIT AUFHOEREN UND AN DIE ZUKUNFT DENKEN!!
Am 17. August 2006 um 18:21 Uhr
Das Ölfeld soll nun doch schneller wieder in Betrieb sein und ein Teil des Feldes soll gar nicht erst aufhören zu produzieren. An diesem Beispiel sieht man wieder, wie irrational der Markt häufig reagiert:
- Meldung kommt und wird im Spiegel der derzeit aktuellen Lage (negativ) interpretiert.
- Meldung relativiert sich, aktuelle Marktlage ändert sich zum Positiven.
- Die Kurse stehen trotz Negativmeldung, die noch immer Bedeutung hat, höher als vorher.