Energie aus Eis

Energie aus dem Eis

Auf den Meeresböden und tief unter der Erde im Permafrost gibt es riesige Lagerstätten von Methangashydrat. Der Abbau des Rohstoffs der Zukunft hat jetzt begonnen

von Arno Nöldechen

Die Energievorräte der Erde sind gewaltig. Doch sie bestehen nicht mehr aus Öl oder Kohle, sondern aus Gas- oder Methanhydraten – gleichsam in Wasser eingefrorenes Methangas, das in großer Tiefe auf den Meeresböden und in Permafrostböden schlummert.

Eine Versorgung der Menschheit mit Energie aus Methanhydraten scheint in der Theorie für viele Jahrzehnte, vielleicht Jahrhunderte gesichert zu sein. Doch dazu müssen die auf Billionen Kubikmeter geschätzten Vorkommen zunächst einmal erschlossen werden. Und das ist nicht einfach.

Während die internationale Forschung an der Ausbeutung reicher Gashydrat-Vorkommen in den Schelfgebieten der Kontinente arbeitet, sind die USA und Kanada schon einen Schritt weiter. Ihre Pilotanlagen zum Gashydrat-Abbau in Alaska fördern in Pilotanlagen erstmals größere Erdgasmengen aus den dortigen Lagerstätten. In weniger als fünf Jahren soll die großtechnische Produktion laufen.

Methangashydrate sehen aus wie Eis. Weil sie sich wegen des Methans anzünden lassen, werden sie gern auch “brennendes Eis” genannt…

Artikel erschienen in Die Welt, 8. Juli 2006

Rätselhafte Klumpen aus schmutzigem Eis, die alle Energieprobleme der Welt lösen könnten

Forscher suchen unter dem Meeresboden nach Vorkommen von Methanhydraten. Das darin enthaltene Gas ist brennbar und äußerst ergiebig

Forschungsschiffe aus aller Welt jagen einem Schatz hinterher, der in den Ozeanböden verborgen liegt. Dabei sieht die begehrte Substanz gar nicht wertvoll aus, sie erinnert eher an Schneematsch.

Hält man aber ein brennendes Streichholz an die sogenannten Methanhydrate, ahnt man, warum die Eisklumpen so gefragt sind: Sie brennen wie der rumgetränkte Zuckerkegel einer Feuerzangenbowle.

Brennbar ist das in den Klumpen enthaltende Methangas. Zwischen Wassereismolekülen ist das Gas wie in einem Käfig auf engsten Raum gezwängt: An der Luft hat das eingeschlossene Gasvolumen die 164fache Größe. Diese Menge macht die Methanhydrate so wertvoll. In Eisschichten im Meeresgrund sei in Methanhydraten doppelt so viel Energie gespeichert wie in allen Erdöl-, Erdgas- und Kohlelagerstätten der Welt zusammen, heißt es in Regierungsberichten und Forschungsanträgen.

In großen Mengen könnte sich das Methaneis nur im Meer angereichert haben. Damit sich die Energiepakete dort bilden können, sind aber Bedingungen erforderlich: Eiseskälte, hoher Druck durch Wasserauflast sowie reichlich Methangas aus der Zersetzung toter Organismen im Meeresboden formen das brennbare Eis. In der Tiefsee selbst kommt nur wenig organische Substanz an, so daß sich nicht genügend Methan bilden kann.

Bislang schätzten Forscher, daß Gashydrate dreiviertel der Kontinentalhänge bedecken. Mit bloßem Auge sind sie im Sand kaum aufzuspüren. Die Meeresforscher orientieren sich deshalb an einer Schicht im Meeresgrund, die Schallwellen reflektiert. In der sogenannten BSR-Schicht (Bottom Simulating Reflector) wurden vielerorts Methanhydrate nachgewiesen. Sie gilt deshalb als Indikator für die Gashydratvorkommen.

Artikel erschienen in Die Welt, 25. Juni 2006

Gutes Gelingen,
Juergen

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