Yen von Dir
Spekulativ orientierte Anleger steigen beim Yen ein
Favorit unter den drei großen Weltwährungenvon Klaus Deppermann
Frankfurt/Main – Bei der technischen Analyse der drei großen Währungen der Welt erscheint derzeit der japanische Yen am attraktivsten. Im Gegensatz zum US-Dollar befindet sich der Euro zum Yen seit über fünf Jahren im Aufwärtstrend. Allerdings erlahmen die Auftriebskräfte. Der Bereich 140 bis 144 Yen hat sich dabei die letzten drei Jahre als schwer zu nehmende Hürde erwiesen. Der Kursverlauf seit Anfang 2003 läßt sich am ehesten als steigender Keil (Rising Wedge) interpretieren. In der ganz überwiegenden Zahl der Fälle wird diese Chartformation nach unten verlassen. Das Mindestkursziel ergibt sich durch den ersten Tiefpunkt der Formation, der bei 124 Yen liegt.
Auch beim Wechselkursverhältnis vom Euro zum Yen ist ein langfristiger Zyklus feststellbar, der seit etwa acht Jahre anhält. Da die letzten langfristigen Hochpunkte 1974, 1982, 1990 und 1998 eingetreten sind, liegt es nahe, den nächsten oberen Wendepunkt für dieses Jahr zu erwarten. Unter Hinzunahme unserer mittelfristigen zyklischen Indikatoren dürfte die Trendwende sogar bereits innerhalb der nächsten Wochen eintreten.
Das eindeutige Ergebnis für einen schwächeren Euro gegenüber dem Yen ist um so erstaunlicher, da es gegenüber dem US-Dollar genau auf das Gegenteil hinauszulaufen scheint. Mit dem jüngsten Kursanstieg scheint die Bodenbildungsphase der letzten Monate hier kurz vor dem Abschluß zu stehen. Der langfristige Zyklus, der ebenfalls acht Jahre umfaßt, spricht hier für einen festeren Euro noch mindestens bis Anfang nächsten Jahres. Die technischen Indikatoren für den Euro zum US-Dollar bestätigen überwiegend das verbesserte Chartbild. So befinden sich die Stimmungsindikatoren, vor allem über eine mehrwöchige Glättung betrachtet, noch relativ weit unten. Bei den Intermarket-Indikatoren läßt sich dagegen ein widersprüchliches Bild feststellen. Während sich die Zinsdifferenzindikatoren in den letzten Wochen deutlich verbessert haben, fehlt vom Gold eine ausreichende Bestätigung für den jüngsten Kursanstieg beim Euro zum US-Dollar.
Fazit: Unter den drei großen Währungen der Welt ist momentan der Yen zu bevorzugen. Spekulativ empfiehlt sich der Kauf von Short-Zertifikaten auf den Wechselkurs Euro/Yen oder alternativ auf US-Dollar/Yen.
Klaus Deppermann ist technischer Analyst bei der BHF
Artikel erschienen in “Die Welt” am Mi, 22. März 2006

