Steigt Butter – Steigt Käse
Experten empfehlen Rohstoff-Anlagen zur Absicherung
Sturmserie läßt Notierungen für Zucker und Getreide stark anziehen – Ölpreis droht im Zuge politischer Konflikte auf 200 Dollar zu steigenvon Daniel Eckert und Patrizia Ribaudo
Berlin – Rohstoff-Investoren müssen manchmal ein deprimierendes Leben führen. Von Berufswegen beschäftigen sie sich mehr als andere Anleger mit den dunklen Seiten des Daseins: mit Kriegen, Konflikten und Katastrophen. Das liegt daran, daß die Preise für Getreide und Kaffee, Öl und Erdgas, Gold und Silber wie kaum eine andere Anlageklasse von Krisen beeinflußt werden. Im kleinen Maßstab ist dies momentan bei Zucker zu erleben. In den vergangenen Wochen zog der Preis für den Süßstoff um mehr als ein Viertel an, nachdem Stürme im wichtigen Erzeugerland Australien große Zuckerrohr-Anbaugebiete verwüstet hatten.
Doch “Larry” und der neue Zyklon, der den jüngsten meteorologischen Meldungen zufolge Kurs auf die Küste des Fünften Kontinents genommen hat, könnten nur ein Vorgeschmack dessen sein, was uns in diesem Jahr an extremen Klimaereignissen noch erwartet. Meteorologen befürchten nämlich, daß 2006 ein Jahr der Stürme und Überschwemmungen werden könnte: “Die Zyklone in Australien kündigen wogmöglich ein La-Niña-Ereignis an”, sagt Michael Lewis, Chef-Rohstoffstratege bei der Deutschen Bank. Diese etwa alle zehn Jahre zu beobachtende Abkühlung des Pazifiks, welche das Wetter nicht nur in Asien völlig durcheinanderbringt, könnte zu weiteren Preiskapriolen bei Agrarrohstoffen, aber auch bei Energieträgern führen.
Lewis verweist darauf, daß Meeresforscher einen merklichen Temperaturabfall im Pazifik festgestellt haben – meist ein Vorzeichen für La Niña. “Durch die klimabedingten Ernteausfälle hat La Niña in der Vergangenheit häufig stark steigende Preise bei agrarischen Rohstoffen mit sich gebracht”, weiß Lewis. Sollte 2006 tatsächlich La Niña Einzug halten, könnten der Preisanstieg bei Zucker nur der Anfang sein: Anfang der siebziger Jahre verteuerten sich im Zuge eines La-Niña-Phänomens zu Beispiel Weizen, Sojabohnen und Mais um mehr als 300 Prozent.
Von einer Wiederkehr dieses extremen Wetterereignisses wäre jedoch nicht nur das Preisgefüge bei Agrarrohstoffen betroffen. “Mit La Nina gehen oftmals vermehrte Hurrikans im Westatlantik einher”, sagt Lewis. Mit anderen Worten: Auch eine neuerliche Beschädigung der Erdölförderanlagen im Golf vom Mexiko wäre – nur ein Jahr nach “Katrina” – nicht auszuschließen.
Doch nicht nur Naturkatastrophen sind für die Rohstoffpreise von Belang, sondern auch politische Konflikte. “Wenn Sie einen Krieg erwarten, sind Rohstoffe ein gutes Investment”, bringt der Investor Marc Faber die Zusammenhänge zwischen geopolitischen Risiken und Rohstoffnotierungen auf den Punkt.
So rechnet Faber damit, daß der Ölpreis im Zuge eines möglichen US-Angriffs auf den Iran, weiter anziehen könnte: “Wir werden noch erleben, daß der Barrel 200 Dollar pro Barrel kostet.” Auch Gold könnte im Falle einer militärischen Zuspitzung einen Schub erhalten. Bereits während des Golfkriegs von 1990/91 hatte sich das Edelmetall markant verteuert.
Insgesamt werden sich nach Fabers Einschätzung die geopolitischen Spannungen durch den Aufstieg Chinas erhöhen. “Das Reich der Mitte bezieht rund 15 Prozent seines Öls aus dem Iran und wird sich deshalb eine amerikanische Intervention nicht ohne weiteres bieten lassen.” Umgekehrt versuchten die anderen Großmächte, die ambitionierte Volksrepublik in Schach zu halten. Doch in den vergangenen zwei Jahrhunderten ging das Kalkül der Eindämmung nicht immer auf – und das Machtgerangel entlud sich in militärischen Auseinandersetzungen. Wie historische Daten zeigen, gingen große geopolitische Konflikte meist mit zyklischen Höchstständen der Rohstoffnotierungen einher. Faber kommt zu dem Schluß: “Rohstoffe werden sich langfristig besser entwickeln als Aktien und Anleihen.”
Anleger, die sich über Rohstoffe gegen Katastrophen absichern wollen, können dies mit Zertifikaten auf Indizes wie den GSCI (WKN: GS3Y86) oder den RICI (mit Währungsabsicherung: ABN4MN) tun. Eine Alternative sind bewährte Commodity-Fonds wie der Merrill Lynch World Mining (986932) oder der Activest Aktien-Rohstoffe (977988).
Artikel erschienen in “Die Welt” am Mi, 22. März 2006
…”steigt Butter, steigt Käse”. Nachdem Zucker gelaufen ist, werden jetzt auch die anderen Soft Commodities nachziehen.*
(siehe “Mais muss man haben“)
Gutes Gelingen,
Juergen
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