Paragraph 15b
Viele Windkraftfonds steigen auf Anleihen um
Nach dem Aus für Verlustzuweisungen tritt die Rendite in den Vordergrund – Auch Auslandsfonds eine Alternativevon Leo Fischer
Düsseldorf – Viele haben den New Energy-Fonds nach Einführung des Paragraphen 15b, der die sofortige Verrechnung von steuerlichen Verlusten verbietet, den Tod vorausgesagt. Immerhin boten diese Investments steuerliche Verluste zwischen 70 und über 90 Prozent. Und tatsächlich ist das Angebot an Windkraft- und Solarfonds im Augenblick äußerst spärlich.
“Aber das erste Quartal war bei den Windkraftfonds immer ruhig”, erklärt Magnus Kaupmann, Analyst für die New-Energy-Fonds bei der Berliner Rating-Agentur Scope. Er räumt aber ein, daß es dieses Mal besonders ruhig ist, nachdem das Geschäft bis zum Stichtag 10. November 2005, als Verlustzuweisungsfonds zum letzten Mal gezeichnet werden konnten, auf Hochtouren lief. Tranchen aus dem Vorjahr, mit denen die Initiatoren im ersten Quartal regelmäßig auf den Markt kamen, habe es diesmal nicht gegeben.
“Im letzten Jahr wurde aufgrund der 15b-Diskussion alles verkauft, auch die Ladenhüter”, stellt Daniel Kellermann fest, der das Internetportal Green Value betreibt. Nach der Marktstatistik von Stefan Loipfinger, Herausgeber des Fondstelegramms, konnten die New-Energy-Fonds (das waren vor allem Windkraft- und Solarbeteiligungen) 2005 mit 421 Mio. Euro 62 Prozent mehr Anlegerkapital einsammeln als im Jahr zuvor – dank der durch den 15b ausgelösten Ausverkaufsstimmung.
Hinzu kommt aber, daß sich die Initiatoren der New Energy-Fonds in einer Art Sondierungspause befinden. “Viele wollen offenbar den Energie-Gipfel abwarten, zu dem Kanzlerin Angela Merkel am 3. April eingeladen hat”, meint Scope-Analyst Kaupmann.
Natürlich gibt auch die schwache Performance vieler Windkraftfonds Initiatoren und Anlegern zu denken. Nach vier schlechten Windjahren in Folge erreicht kaum einer der seit 2001 aufgelegten Windkraftfonds die prognostizierten Ausschüttungen. In vielen Fällen wurde in den letzten vier Jahren überhaupt nichts ausgeschüttet und mancher Fondsmanager ist froh, wenn wenigstens die Tilgungsraten für das Fremdkapital aufgebracht werden können. Windkraftfonds sind oft zu 80 Prozent fremdfinanziert.
Die Initiatoren glauben, daß auch 15b-konforme Fonds bei den Anlegern auf Interesse stoßen. “Wir können durch den Vortrag der steuerlichen Verluste rund zehn Jahre steuerfreie Ausschüttungen in Aussicht stellen”, meint Cerstin A. Lange, Sprecherin der EnergieKontor AG. Allerdings werde die Rendite nach der internen Zinsfußmethode um rund zwei Prozentpunkte zurückgehen. Aber diese war durch den schnellen Geldrückfluß aufgrund der steuerlichen Verluste ohnehin überzeichnet. “Silicon-Rendite”, nennt das Heinz Gerlach, Herausgeber des Informationsdienstes Direkter Anlegerschutz.
“Unsere Erfahrungen mit Beteiligungen an Auslandsfonds, die auch mit steuerfreien Ausschüttungen konzipiert sind, zeigen, daß diese von den Investoren sehr gut angenommen werden”, meint EnergieKontor-Vorstand Dirk Gottschalk. Fast alle Initiatoren deuten an, daß sie sich verstärkt im Ausland umsehen. Dort locken nicht nur steuerfreie Erträge, die aufgrund der Doppelbesteuerungsabkommen auch in Deutschland nicht besteuert werden, sondern auch die deutlich besseren Wetterverhältnisse für Windkraft und Solarenergie.
Daß sich Finanzanlagen in Windkraft- und Solarparks sogar ohne jeglichen Steuerspareffekt verkaufen lassen, zeigen die vielen Genußscheine und Anleihen, die auf dem Markt sind. Bereits vor Jahren hatte EECH die Emission von KG-Beteiligungen für Windkraft- und Solaranlagen aufgegeben und statt dessen Anleihen emittiert. Derzeit sind auch Enertrag und Prokon mit Genußscheinen und Anleihen mit Kupons teilweise über sieben Prozent auf dem Markt, die neben den (kostenintensiven) KG-Modellen verkauft werden.
Während König & Cie sich von den New Energy-Fonds verabschiedet hat, weil die steuerlichen Anfangsverluste zur Kompensation der höheren Risiken für unentbehrlich gehalten werden, überlegen ehemalige Filmfondsanbieter wie die Chorus-Gruppe den Einstieg ins Segment Regenerative Energien. “Hier eröffnen sich enorme Chancen”, glaubt auch Torsten Teichert, Vorstandsvorsitzender der Lloyd Fonds AG, der das Engagement seines Unternehmens in diesem Segment ausbauen will.
Artikel erschienen in “Die Welt” am Mi, 22. März 2006
…durch die Neuregelung bei der Besteuerung wird sich der in erneuerbare Energien fließende Geldstrom reduzieren.
(siehe Kommentar zu Laszlo Birinyi in “Selling upticks im Bund“)
Das wird sich nicht positiv auf die Weiterentwicklung der überteuerten Energieaktien auswirken.*
(siehe “Energie-Aktien” und “Solarworld an Dich“)
Gutes Gelingen,
Juergen
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