Erdgas statt Erdöl
Am 8. September 2005 haben die Vorstandschefs von Gazprom, BASF und E.ON im Beisein des russischen Staatspräsidenten Wladimir Putin und des deutschen Bundeskanzlers Gerhard Schröder (SPD) eine Grundsatzvereinbarung zum Bau der “Nordeuropäischen Gasleitung” (NEGP) durch die Ostsee unterzeichnet. Die Partner wollen dazu das deutsch-russische Gemeinschaftsunternehmen “North European Gas Pipeline Company” gründen, an dem der weltgrößte Gasförderer Gasprom mit 51 Prozent und die BASF-Tochter Wintershall und die E.ON-Tochter Ruhrgas mit jeweils 24,5 Prozent beteiligt sein werden.
Die knapp 1200 Kilometer lange Pipeline wird auf dem Grund der Ostsee von Vyborg bei St. Petersbug an der russisch-finnischen Grenze nach Greifswald an der deutschen Ostseeküste verlaufen und größtenteils Gas aus Westsibirien liefern.
Später ist eine Verlängerung der Leitung durch die Nordsee bis nach Großbritannien vorgesehen.
…Die Gesamtinvestition für das Projekt ist bei zwei Leitungssträngen auf 4,6 Milliarden Euro veranschlagt.
Bisher liefert Russland jährlich etwa 116 Milliarden Kubikmeter Gas nach Westen. Der Rohstoff wird in Überland-Pipelines durch die Ukraine, Weißrussland, Polen und die Slowakei nach Westeuropa befördert.
Derzeit kommt gut ein Drittel des in Deutschland verbrauchten Erdgases aus Russland. Deutschland ist heute der größte Exportmarkt für den russischen Monopolisten Gasprom. Jede zweite deutsche Wohnung wird mit Gas beheizt; in drei Viertel aller Neubauten wird eine Gasheizung eingebaut.
Die Pipeline wird den steigenden Importbedarf in Deutschland und anderen europäischen Ländern decken und die Energieversorgung sichern.
Russland verfügt über rund ein Viertel der weltweiten Reserven des Energieträgers, wobei die Verbrennung von Gas ökologisch wesentlich weniger bedenklich als das Verfeuern von Öl oder Kohle ist.
Erdgas ist kein Erdöl. Außerdem ist Erdgas auch nur ein begrenzter Rohstoff und die Fertigstellung der Pipeline liegt noch in weiter Ferne, trotzdem begrenzt der geplante Bau doch das Potential für weitere Übertreibungen beim Ölpreis.
Gutes Gelingen,
Juergen

